Der therapeutische Nutzen des resonanten Atmens bei depressiven Störungen: Mobiles HRV-Biofeedback verbessert die Abnahme der depressiven Symptomatik in PatientInnen einer psychiatrischen Rehabilitationsklinik.

Zusammenfassung
Depressive Störungen bedürfen neuer Therapieansätze, da die hohe
Rückfallrate auf die mangelnde Effizienz des momentanen, primär
pharmakologisch orientierten Behandlungsparadigmas hinweisen.

Mehrere Studien indizieren einen positiven Effekt von Herzratenvariabilitäts-
Biofeedback (HRVBF) auf die depressive Symptomatik sowie autonome
Regulationsfähigkeit in depressiven Personen. Zu diesem Zeitpunkt wurde
jedoch noch nicht untersucht, ob auch PatientInnen von der therapeutischen
Wirkung des HRVBF profitieren, die ein psychiatrisches
Rehabilitationsprogramm und damit umfangreiche, multidimensionale
Therapien erhalten. Daher bezweckte die vorliegende Studie, die bisherige
Forschung diesbezüglich zu erweitern. Hierfür wurden 92 PatientInnen einer
psychiatrischen Rehabilitationsklinik randomisiert einer Interventionsgruppe
(IG) oder Warteliste-Kontrollgruppe (WL) zugeteilt. Über einen Zeitraum von
fünf Wochen erhielt die IG sechs geführte HRVBF-Trainings zusätzlich zum
Standardtherapieprotokoll (STP) und wurde instruiert mit Hilfe eines
tragbaren HRVBF Geräts (Qiu, Biosign GmbH) zwei Mal täglich für je 10
Minuten selbstständig zu trainieren. Die WL erhielt ausschließlich das STP.
Vor und nach dem 5-wöchigen Interventionszeitraum wurden die depressive
Symptomatik sowie die Herzratenvariabilität (HRV) erhoben. Beide Gruppen
zeigten eine Verbesserung der Depressionssymptomatik, wobei die IG eine
größere Abnahme verzeichnete (p < .05, ηp 2 = .065). Im Gegensatz zur WL
zeigte die IG eine Zunahme der frequenzbasierten HRV-Parameter, lnLF,
lnLF/HF sowie der kardio-respiratorischen Kohärenz (ps < .05). Die
Ruheatemfrequenz sank in beiden Bedingungen, wobei die IG eine deutlich
größere Abnahme aufwies (p < .05). Wenige Minuten HRVBF täglich,
verbesserten die antidepressive Wirkung eines umfassenden
Therapieprogrammes und erhöhten die HRV, was auf eine verbesserte
autonome Regulationsfähigkeit hinweist. Dementsprechend unterstreichen
die Studienergebnisse den Nutzen von HRVBF als nebenwirkungsfreie
Depressionstherapie.

Vortragender Vorname: Josef Nachname: Tatschl
E-Mail: josef.tatschl@edu.uni-graz.at
Thema: Mobiles HRV-Biofeedback

Alle Beiträge im Überblick