Ein Überblick: Aktuelle Studien zum Thema Nikotinentwöhnung durch Hypnose in der Medizin

 

Tabakrauchen ist ein weltweit verbreitetes Suchtproblem mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. In Österreich liegt der Raucheranteil laut der letzten Gesundheitsumfrage der Statistik Austria aus dem Jahr 2014 bei 24,3%. Die Entstehung der Nikotinsucht wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, unter Anderem werden das soziale Umfeld, neurobiologische Vorgänge und Abhängigkeit durch wiederholtes Einnehmen genannt. Die Abhängigkeit entwickelt sich durch regelmäßigen Konsum mit Gewöhnung, Toleranzentwicklung und Habituation, wobei beim Absetzen Craving und Entzugserscheinungen eintreten (Tölle et al., 2012).

Nikotinkonsum wird mit ca. 30% aller Krebserkrankungen und 90% aller Bronchialkarzinome assoziiert (Greten et al., 2010). Zusätzlich ist Rauchen ein eindeutiger kardiovaskulärer Risikofaktor, daher sollte grundsätzlich jedem rauchenden Patienten ein Rauchstopp nahegelegt werden. Rauchfrei zu werden, wird von Prochaska und DiClemente als „dynamischer Prozess“ im „transtheoretischen Modell“ beschrieben, laut welchem ein Raucher Stadien durchmacht, um rauchfrei zu werden. Am Anfang steht immer ein „stabiler Raucher“, welcher dann über ein „Stadium der Dissonanz“, ein „Stadium der Vorbereitung“ und einem „Stadium der Handlung“ zum Nichtraucher wird. Danach kann es entweder zu Rückfällen oder zum „Stadium der Stabilisierung“ kommen (Matthys and Seeger, 2008). Im Folgenden werden einige Artikel und Studien kurz zusammengefasst, welche sich seit dem Jahr 2000 mit dem Thema Rauchstopp mit Hypnosein der Medizin befassen und über PubMed mittels MeSH gefunden wurden.

Mehrere kürzlich veröffentlichte Studien beschreiben einen positiven Einfluss von Hypnose in der Medizin auf den Rauchstopp und die Abstinenz danach. Eine Studie aus dem Jahr 2018 von Munson et al. beschreibt, dass durch Hypnose signifikante Veränderungen der Studienteilnehmer in Bezug auf das transtheoretische Modell erreicht werden konnten. Ebenso konnte gezeigt werden, dass die Anzahl an gerauchten Zigaretten pro Tag signifikant reduziert wurde (Munson et al., 2018). Vielversprechende Ergebnisse wurden auch in einer randomisierten, kontrollierten Studie von Hasan et al. mit 164 Patienten veröffentlicht. Die Patienten, welche wegen einer kardialen oder pulmonalen Ursache im Krankenhaus waren, wurden 4 Gruppen zugewiesen: 1. Nikotinersatz, 2. 90-minütige Hypnotherapie, 3. Nikotinersatz mit Hypnotherapie und 4. Kontrollgruppe. Die Ergebnisse zeigten, dass die Abstinenzraten in der Gruppe Hypnotherapie und Nikotinersatz mit Hypnotherapie sehr ähnlich sind. Nach 12 Wochen waren insgesamt 43.9% der beiden Gruppen mit Hypnose abstinent, während bei der Gruppe mit Nikotinersatz nur 28.2% abstinent waren. Nach 24 Wochen waren noch 36.6% aus den Hypnose-Gruppen im Vergleich mit 18.0% aus der Nikotinersatztherapie-Gruppe abstinent (Hasan et al., 2014). Carmody et al. beschrieben 2008 ebenfalls einen vorteilhaften Effekt bezüglich der Langzeitabstinenz kombinierten Intervention mit Hypnose und Nikotinersatz. Es wurde die Kombination von Hypnose mit Nikotinersatz verglichen mit Verhaltenstherapie mit Nikotinersatz. Nach 6 Monaten waren 26% der Hypnosegruppe und 18% der Verhaltenstherapiegruppe abstinent, nach 12 Monaten waren es noch 20% (Hypnose) und 14% (Verhaltenstherapie). Es wurde geschlussfolgert, dass die Kombination von Hypnose mit Nikotinersatztherapie im Bezug auf die Langzeitabstinenz durchaus vergleichbar mit einer standardmäßigen Verhaltenstherapie ist (Carmody et al., 2008). Eine intensive, prospektive Pilotstudie von Elkins aus 2006, in welcher je 10 Teilnehmer entweder in die Hypnosegruppe oder Kontrollgruppe kamen, wurden ebenfalls Langzeitabstinenzen verglichen. Die Teilnehmer der Hypnosegruppe bekamen 8 individuelle Sitzungen über 2 Monate. 12 Wochen nach Ende der Behandlung waren 60% der Hypnosegruppe abstinent, nach 26 Wochen waren 40% abstinent. Dadurch konnte auch ein signifikanter Effekt von intensivierter Hypnotherapie auf die Langzeitabstinenz gezeigt werden (Elkins et al., 2006). Elkins und Rajab publizierten 2004 vergleichbare Daten, wo nach 3 individuellen Hypnosesitzungen 81% nach der Behanldung mit dem Rauchen stoppten und 1 Jahr nach der Behandlung 48% der Teilnehmer noch abstinent waren (Elkins and Rajab, 2004).

Andere Studien legen nahe, dass Hypnose zwar effektiv, jedoch den anderen Methoden nicht überlegen sei. Green und Lynn veröffentlichten im Jahr 2000 eine Analyse von 59 Studien bezüglich Hypnose und Suggestionen zum Rauchstopp. Hypnose ist demnach generell effektiver in Bezug auf die Abstinenzraten im Vergleich zu den Kontrollgruppen. Zusammenfassend sei Hypnose durchaus mit nicht-hypnose Behandlungen vergleichbar (Green and Lynn, 2000). Zu einen ähnlichen Ergebnis kamen 2001 auch Covino und Bottari: Hypnose, Suggestionen und Verhaltenstherapie erzielen ähnliche Ergebnisse und können alle den Rauchstopp eines Patienten signifikant erleichtern (Covino and Bottari, 2001). Carmody et al. verglichen die Langzeiterfolge von Hypnose mit Verhaltensinterventionen für Rückfallprävention, wo die Intervention bei beiden Gruppen aus zwei 60-minütigen individuellen Sitzungen und vier Telefonaten bestand. Nach 26 Wochen zeigte die Verhaltensinterventionsgruppe mit 42% eine höhere Abstinenzrate als Hypnose mit 35%. In der 53. Woche lagen die Abstinenzraten bei 28% bei der Verhaltensintervention und bei 29% bei der Hypnose (Carmody et al., 2017). In einer randomisierten, kontrollierten Studie von Dickson-Spillmann aus 2013 mit 223 Rauchern konnte kein signifikanter Unterschied der Abstinenz zwischen einer Hypnose-Gruppe und einer „Enspannungsgruppe“ festgestellt werden. Es zeigte sich jedoch, dass die Teilnehmer der Hypnose 2 Wochen nach der Intervention signifikant weniger Entzugssymptome beschrieben (Dickson-Spillmann et al., 2013).

Zusammenfassend weisen die meisten Studien darauf hin, dass Hypnose in der Medizin zum Rauchstopp durchaus einen Stellenwert haben sollte (Hasan et al., 2014). Laut einigen Autoren kann, besonders in Kombination mit Nikotinersatztherapie, Hypnose den Rauchstopp erleichtern. Es ist dennoch eine Empfehlung der meisten Autoren, weitere Forschungen zu dem Thema zu betreiben, da die Studien zu Rauchstopp und Hypnose sehr heterogen in Bezug auf Teilnehmerzahl, Dauer und Art der Hypnose sind und nicht immer eine Kontrollgruppe miteinbezogen wurde. Dadurch sind die Studien untereinander nur mäßig vergleichbar. Ein großer Vorteil der Rauchentwöhnung durch Hypnose ist, dass auf die Patienten individuell eingegangen und eigene Ressourcen unterstützt werden können.

Rechte gesammelt beim Autor – Hypnose in der Medizin

 

Autor:
Univ.-Prof. Dr. med. Robert Gasser PhD (Oxford University, UK),
Abteilung für Kardiologie, LKH-Universitätsklinikum Graz,
Auenbruggerplatz 15,
8036 Graz
robert.gasser@klinikum-graz.at

 

Literaturverzeichnis

Statistik Austria, 2014. Rauchen. URL https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/gesundheitsdeterminanten/rauchen/105592.html (abgerufen 25.3.2018).

Tölle, R., Windgassen, K., Lempp, R., 2012. Psychiatrie: einschließlich Psychotherapie ; mit 12 Tabellen, 16., überarb. und erg. Aufl. ed, Springer-Lehrbuch. Springer, Heidelberg.

Greten, H., Rinninger, F., Greten, T.F., Amling, M. (Eds.), 2010. Innere Medizin: 395 Tabellen, 13., vollst. überarb. und erw. Aufl. ed. Thieme, Stuttgart.

Matthys, H., Seeger, W. (Eds.), 2008. Klinische Pneumologie: mit 175 Tabellen, 4., überarb. und aktualisierte Aufl. ed. Springer Medizin, Heidelberg.

Munson, S.O., Barabasz, A.F., Barabasz, M., 2018. Ability of Hypnosis to Facilitate Movement Through Stages of Change for Smoking Cessation. Int J Clin Exp Hypn 66, 56–82. https://doi.org/10.1080/00207144.2018.1396115

Hasan, F.M., Zagarins, S.E., Pischke, K.M., Saiyed, S., Bettencourt, A.M., Beal, L., Macys, D., Aurora, S., McCleary, N., 2014. Hypnotherapy is more effective than nicotine replacement therapy for smoking cessation: Results of a randomized controlled trial. Complementary Therapies in Medicine 22, 1–8. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2013.12.012

Carmody, T., Duncan, C., Simon, J., Solkowitz, S., Huggins, J., Lee, S., Delucchi, K., 2008. Hypnosis for smoking cessation: A randomized trial. Nicotine & Tobacco Research 10, 811–818. https://doi.org/10.1080/14622200802023833

Elkins, G., Marcus, J., Bates, J., Hasan Rajab, M., Cook, T., 2006. Intensive Hypnotherapy for Smoking Cessation:A Prospective Study. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis 54, 303–315. https://doi.org/10.1080/00207140600689512

Elkins, G.R., Rajab, M.H., 2004. Clinical Hypnosis For Smoking Cessation: Preliminary Results of a Three-Session Intervention. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis 52, 73–81. https://doi.org/10.1076/iceh.52.1.73.23921

Green, J.P., Lynn, S.J., 2000. Hypnosis and suggestion-based approaches to smoking cessation: An examination of the evidence. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis 48, 195–224. https://doi.org/10.1080/00207140008410048

Covino, N.A., Bottari, M., 2001. Hypnosis, behavioral theory, and smoking cessation. J Dent Educ 65, 340–347.

Carmody, T.P., Duncan, C.L., Solkowitz, S.N., Huggins, J., Simon, J.A., 2017. Hypnosis for Smoking Relapse Prevention: A Randomized Trial. Am J Clin Hypn 60, 159–171. https://doi.org/10.1080/00029157.2016.1261678

Dickson-Spillmann, M., Haug, S., Schaub, M.P., 2013. Group hypnosis vs. relaxation for smoking cessation in adults: a cluster-randomised controlled trial. BMC Public Health 13. https://doi.org/10.1186/1471-2458-13-1227

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