Einfluss suggestiver Entspannungsverfahren auf physiologische biochemische und neurohumorale Parameter im Herz-Kreislaufbereich

Derzeit gibt es keine umfassende Beschreibung des aktuellen Standes der Grundlagenforschung zu diesem Thema. Der besondere Neuigkeitswert der vorliegenden Diplomarbeit liegt darin, den wissenschaftlichen Hintergrund suggestiver Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Klinische Hypnose, progressive Relaxation nach Jacobson, Basissophronisation) im Grundlagenforschungsbereich zu erfassen und abzubilden.

Untersucht wurde die vorhandene wissenschaftliche Literatur von peer-reviewten Fachzeitschriften in diesem Kontext zu folgenden Themen: Herz-Kreislaufphysiologie (HRV, Vasokonstriktion und – Dilatation, biochemische, physiologische, elektrophysiologische Veränderungen, biologische und neuro-humorale Ansätze). Die Ergebnisse wurden statistisch-analytisch verarbeitet, die physiologischen und biochemischen Grundlagen komparativ und kritisch beurteilt, um den therapeutischen Stellenwert dieser Verfahren neu zu bewerten.

In der Literatur konnten für den kardiovaskulären Bereich folgende Anwendungsgebiete gefunden werden: Prävention (Risikofaktorenmanagement wie Stressmanagement, Raucherentwöhnung, Compliance, Körpergewichtskontrolle, Ernährungsgewohnheiten, Sport), Leistungssport, Intensivmedizin (Weaning), Anxiolyse (vor Eingriffen, ICD-Implantation, Transplantationsmanagement), Analgesie/Sedierung (Punktionen, Thoraxschmerz), begleitend bei Eingriffen, HRV, RR-Senkung. Über folgende folgende Parameter konnten verwertbare Daten bezüglich statistisch signifikante Ergebnisse gefunden werden: Herzfrequenz, HRV (Spektralanalyse und fraktale Komplexität sind in beide Richtungen beeinflussbar), Vasokonstriktion/-dilatation, Peripherer vaskulärer Widerstand, Koronarfluss, Umbilikalarterienfluss (proof of principle), Sympathikus/Parasympathikusaktivität kann nach beiden Richtungen beeinflußt werden, Endothelfunktion beeinflußbar, Modulation nicht-dipolarer Komponenten der T-Welle, Neurohumorale Parameter: Cortisol, Wachstumshormon, Oxytocin.

Der hier präsentierte Überblick über die derzeitigen Kenntnisse im Grundlagenforschungsbereich zu diesem Thema zeigt, dass neue Messtechniken zunehmend Eingang in die Valorisierung von suggestiven Entspannungsverfahren finden und letztere auch zurecht begleitend ein weites Einsatzgebiet in Kerngebieten der Kardiologie wie Risikofaktorenmanagement und Anxiolyse finden.

 

Tupi, C. Haas, R. Gasser
Klinische Abt. für Kardiologie
Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz

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