Einführung in die medizinische Hypnose

 

Die medizinische Hypnose ist ein sehr wirkungsvolles Verfahren, um einen kontrollierten und gut strukturierten Zugang in das Unbewusste der Patient/Innen zu ermöglichen. Derart können im Unbewussten positive Veränderungen bewirkt werden. Die medizinische Hypnose ist eine der ältesten Behandlungsmethoden der Menschheit und der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson entwickelte die heute am weitesten verbreitete Form der medizinischen Hypnose. Er fand im, Gegensatz zu den vorher verwendeten unterschiedlichen direkten Hypnosetechniken, einen wirkungsvolleren und indirekten Zugang in das Unbewusste seiner Patient/Innen.

In den letzten Jahren erhält die medizinische Hypnose durch viele sehr bedeutende Stimmen neue Kraft und es gelingt nun, den Einsatz der medizinischen Hypnose im Spitalalltag und in der Schulmedizin, sowie an Universitätskliniken zu implementieren. Mit Beginn 2018 wird beispielsweise im Genfer Unispital die Ausbildung zur medizinischen Hypnose gestärkt und so auf universitärer Ebene im Spitalsalltag beispielsweise bei Endoskopien, Chemotherapie, MRI-Untersuchungen, oder Knochenmark-Punktionen erfolgreich eingesetzt.

(siehe: https://www.medinside.ch/de/post/unispital-genf-will-hypnose-massiv-ausbauen)

Davor wurde bereits 2017 in Österreich durch die Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Medizinische Hypnose e.V. (ÖGMH) eine universitätsnahe Interessensvertretung mit Hauptsitz an der Medizinischen Universität Graz ins Leben gerufen, die sich fortan um die Umsetzung der medizinischen Hypnose bemüht und Ausbildungen zur medizinischen Hypnose anbietet.

Ich lade Sie hier in unserem ersten Blogbeitrag sehr herzlich ein, sich mit dieser wundervollen Therapiemethode ein wenig vertrauter zu machen und entführe Sie in einige spannende Details zur medizinischen Hypnose:

Der Unterschied zwischen Trance und Hypnose

Was also ist mit den folgenden Begriffen wie „Trance“, „hypnoid“ und „fokussierter Aufmerksamkeit“ eigentlich gemeint?

Grundsätzlich ist „Trance“ ein häufiges und bei allen Individuen auslösbares Phänomen – von der Antilope bis zum Universitätsprofessor – jede/r ist trancefähig. Die Trancefähigkeit ist bei den einen mehr, bei anderen etwas weniger ausgeprägt, ganz nach persönlichen Fähigkeiten. Derart stellt die „Trance“ einen „physiologischen Reflex“ da. Es handelt sich um einen normalen Körperzustand also, der sich in unregelmäßigen Abständen, oft mehrmals am Tag, ganz von selbst einstellt. Dieser Körperzustand ist vergleichbar mit dem unwillkürlichen Blinzeln, welches man zum Beispiel erst dann bemerkt, wenn man darauf achtet. Der Wachheitszustand spielt in diesen zeitlich sehr unterschiedlich langen Situationen nur eine untergeordnete Rolle. Zum Beispiel sind physiologisch selbstablaufenden Trancezuständen: die „Autofahrertrance“, oder die „Trance während der Zugfahrt“, beim Blick auf die Straße und aus dem Fenster. Wichtig: Es werden automatisierte Vorgänge wie Schalten, betätigen von Gaspedal, Bremse und Kupplung weiterhin korrekt abgerufen und ausgeführt. Somit handelt es sich bei einer „Trance“ stets um eine fokussierte Aufmerksamkeit und die Details aus der Umwelt verschmelzen zu einem für das Bewusstsein informationslosen Strom aus gefilterten Reizen.

Eine „Trance“ bezeichnet in der medizinischen Hypnose vor allem aber einen nach innen gerichteten Aufmerksamkeitszustand, wie beispielsweise das Gefühl der angenehmen Freiheit und Entspannung. Es ist quasi eine fokussierte Aufmerksamkeit auf die eigene Mitte – sozusagen einen Zustand „wie zwischen Wach und Schlaf“ mit unterschiedlichen Niveaus/Ebenen, welche die Selbstwahrnehmung und das Zeit- und Raumgefühl sehr stark verändern können.

Im Gegenzug zur „Trance“ bezeichnet der Begriff „ Hypnose“ den VORGANG, um jemanden in Trance zu versetzen. Es gibt für diesen Vorgang unterschiedliche Induktionstechniken, welche je nach Kreativität der Patient/Innen bzw. auch deren Vorkenntnissen vom Hypnotiseur/der Hypnotiseurin verwendet werden können. Diese Techniken können strukturiert eine Trance induzieren, also einleiten.

Die medizinische Hypnose ermöglicht es also, durch den Zustand der Trance verschiedene Verhaltensmuster des Unbewussten zu verändern. Dadurch können tief verankerte Strukturen verändert werden und „Rahmen“ erhalten die Möglichkeit zur Erneuerung. Statt chronischem Stillstand wird Fortschritt und damit ein großes therapeutisches Potential ermöglicht!

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dunst zu den Gefilden hoher Ahnen“.

Derartig lässt bereits Johann Wolfgang von Goethe seinen Doktor Faust meisterlich philosophieren und für die medizinische Hypnose kann abschließend gesagt werden, dass diese beiden Wahrnehmungsebenen, Bewusstes und Unbewusstes, in der medizinischen Hypnose tatsächlich als zwei getrennte „Personen“ angesprochen werden.

Durch diese Personentrennung ist die medizinische Hypnose eine sehr effektive Technik und wir können direkt mit dem Unbewussten der Patient/Innen arbeiten. Die OGMH lädt Sie herzlich ein, die medizinische Hypnose und ihre großartigen Kombinations- und Einsatzmöglichkeiten beispielsweise im kommenden 4. Grazer Hypnosekongress in Graz oder auch im Rahmen einer Hypnoseausbildung, wie im Seminar „HYPNOSEplus“ in der Schweiz an zwei Wochenenden zu erlernen.

 

Autor:
Dr. Clemens Kaindlstorfer,
Augenklinik, Barmherzige Brüder Linz,
Seilerstätte 2, 4021 Linz
clemens.kaindlstorfer@gmail.com

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