Entwicklung des Geistes in der Kindheit aus Sicht der Hypno-Power-Meditation: Hypnose Ausbildung

 

Hypnose Ausbildung: Der ursprüngliche Geist in seiner Klarheit und Reinheit begegnet in der Kindheit immer mehr Einengungen, wie zum Beispiel auch sogenannten Seedings, Botschaften, die in erster Linie vom Unbewussten aufgenommen werden und zu Reaktionsmustern führen (Beispiel: „Mathematik ist nichts für Mädchen“ – so ein beiläufig gesagter Satz kann zu einer endlosen Kette von Reaktionen führen und einer jungen Frau die Möglichkeit von Entwicklung und Berufswahl einschränken, ohne dass sich diese das dann in irgend einer Weise erklären kann).

Die zahlreichen Erfahrungen des Kindes führen dazu, dass es zunehmend beginnt, Unterscheidungen (Differenzierung) zu treffen. Auch das Denken des Kindes verändert sich (Kompensation/Vorbehalte). Allererste, bewusst abrufbare Lebenserinnerungen bilden sich in Alter von 3 oder 4 Jahren. Hypnose Ausbildung

Ein Teil des Geistes ist verändert durch Unterscheidung, Denken und Erfahrungen, während ein immer geringerer Anteil des Geistes noch reiner, klarer Aufmerksamkeit entspricht („Spiegeln“).

Ein Beispiel dafür ist eine rote Rose, die ein Kind in die Hand bekommt. Es sieht sie an, riecht an ihr, berührt sie, sticht sich vielleicht, hat aber dazu überhaupt keine Assoziationen. Jemand erklärt ihm, dass es sich dabei um eine „rote Rose“ handelt. Das ist der Punkt, an dem keine offene Wahrnehmung mehr möglich ist und es kommt zu einer Einschränkung der Wahrnehmung und zu deren Redundanzverminderung. Das Kind schenkt roten Rosen keine Beachtung mehr und geht achtlos an ihnen vorbei.

Das offene, ungetrübte und undifferenzierte Bewußtsein („Pure Clarity“ oder „Open awareness“) beginnt sich mit dem erworbenen, differenzierten Bewusstsein („Dependent (Conditioned) Arising“) zu mischen. Die Rose tritt nicht mehr phänomenologisch ins Bewusstsein, sondern wenig oder gar nicht („Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.“). Dadurch kommt es zu einem interessanten Phänomen: Es entsteht der Eindruck, das Leben würde an Geschwindigkeit zunehmen. Je älter man wird, desto stärker wird das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht. Wir nehmen die Dinge nicht mehr wahr, sie werden als „redundant“ aus dem Geist herausgefiltert. Dadurch scheint das Erlebte in den Erinnerungen nicht mehr oder in einer anderen Intensität auf.

J: Dieses Phänomen trifft wohl bei Autisten nicht zu?
R: Das kann ich dir leider nicht beantworten, es ist aber eine interessante Frage. Was mir dazu einfällt ist, dass Patienten, denen Benzodiazepine verabreicht wurden, erzählen, dass ihnen vorkommt, die Zeit würde schneller vergehen. Das kommt daher, dass Benzodiazepine unter anderem die Wahrnehmung reduzieren.

Beim Lernen fällt zum Beispiel auf, dass man Inhalte, die einem bekannt vorkommen, ungenauer liest. Neue Inhalte sieht man sich genauer an.
Deswegen hat man Schwierigkeiten beim Lesen eigener Arbeiten, Fehler zu finden. Hier ist es hilfreich, eine zweite Person Korrektur lesen zu lassen. Hypnose Ausbildung

So entsteht durch Erfahrung ein neuer Zustand, in dem die Wahrnehmung schon ein bisschen verändert ist. Wir verfügen zeitlebens über einen gewissen Anteil an open Awareness. Im Taoismus nennt man das: Universal Awareness. „Universal“(Universell)entwickelt sich in der Kindheit dann zu „particular“ (Bestimmt). Als Beispiel nehmen wir einen Schmetterling: Jemand, der sich viel mit Schmetterlingen beschäftigt, gibt sich nicht damit zufrieden, wenn man ihm sagt: „Das ist ein Schmetterling“. Er sieht einen Nachtkerzenschwärmer. Hier hat sich das Bewusstsein vom Universellen zum Bestimmten hin entwickelt. Ein Neugeborenes nimmt nur hell oder dunkel war, später Tag und Nacht, dann die Unterscheidung zwischen Sonne und künstlichem Licht. Die Wahrnehmung entwickelt sich vom Allgemeinen zum Speziellen, vom Universellen zum Bestimmten.

Ein Beispiel hierzu ist jener Indianerstamm, der für alle fliegenden Objekte nur einen Begriff kennt, ganz gleich, ob es sich um einen geworfenen Stein oder einen Vogel handelt. Ein solches Beispiel gibt es auch im Chinesischen: Für Vergangenheit und Zukunft gibt es die gleiche Wortform. Man kann nur aus dem Zusammenhang (zum Beispiel durch das Beiwort „gestern“) erkennen, ob es sich um ein vergangenes oder zukünftiges Geschehen handelt.

Dieser Umbruch geschieht über Monate bis Jahre: Ein Kind isst, wenn es hungrig ist und zieht sich an, wenn ihm kalt ist. Es kümmert sich nicht darum, was es anzieht oder ob es hübsch ist. Es gibt einen Punkt, an dem sich das plötzlich ändert und es beginnt alles Umgebende zu beurteilen.
Dazu gibt es eine schöne Geschichte aus dem Buddhismus: Es geht darum, was das Besondere ist an Buddha. Buddha geht in die Stadt und bettelt, kommt zurück, setzt sich hin, schlägt seine Kutte zurück, nimmt seine Schale und isst. „Das ist sehr außergewöhnlich!“ ruft einer seiner Schüler. Es ist außergewöhnlich, weil er nur das tut und in seinem Geist dies ohne zu beurteilen oder zu interpretieren bzw. zu benennen tut.
Bei demjenigen, der im Zustand von Open Awareness ist, kommen und vergehen auch Gefühle wie Freude, Zorn oder Traurigkeit. Sie vergehen im selben Moment wieder in dem sie erscheinen.
Kinder mit einem großen Anteil an Open Awareness sind offen, gehen auf alle zu, sind dankbar und liebevoll und machen keinen Unterschied zwischen den Menschen. Das ändert sich im Laufe der Zeit.

Ich möchte in diesem Kontext auf zwei weitere Begriffe hinweisen: Suchness – die Soheit und Differenziertheit. Dazwischen gibt es einen Punkt außerhalb der Dichothomie – der Übergangspunkt des Spiegelns. Hier ist die maximale Intensität der Soheit, ohne dass aus dieser bereits ein Etwas entstanden ist.

Bezogen auf die Wahrnehmung der Rose wäre es der Augenblick, in welchem der Begriff „Rose“ das erste Mal dem Kind mitgeteilt wird, das Mitteilen des Begriffes gerade begonnen hat, aber noch nicht abgeschlossen ist. Aus einer universellen Wahrnehmung wird eine bestimmte, spezifische. Das bedeutet aber auch, dass das Eine das Andere und umgekehrt bedingt: die Soheit öffnet sich zur Dichotomie, bedingt diese dadurch, kann aber nur aus der Dichotomie-bedingten Wahrnehmung eines differenzierenden Selbst heraus wahrgenommen und gedeutet werden.

In der HPM-Philosophie wird durch hypnotisch begleitete Meditationstechniken dieser Prozess umgekehrt und das Spiegeln der Soheit aller Phänomene in ihrer Existenz bewusst erlebt.

Rechte gesammelt beim Autor – Hypnose Ausbildung

Autor:
Univ.-Prof. Dr. med. Robert Gasser PhD (Oxford University, UK),
Abteilung für Kardiologie, LKH-Universitätsklinikum Graz,
Auenbruggerplatz 15,
8036 Graz
robert.gasser@klinikum-graz.at

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