Medizinische Hypnose – was ist das? Der Versuch einer Definition

 

 

Medizinische Hypnose wird bereits seit mehreren hunderten von Jahren verwendet, allerdings wird die Anwendung durch diverse Mythen von unserer Gesellschaft mit Vorsicht betrachtet. Hypnose führt in einen Zustand der Entspannung, ist ein Verfahren das dem Patienten ein gutes und positives Gefühl vermittelt, gewisse Ängste weniger bedeutsam macht und Situationen des Wohlfühlens hervorhebt.

Sie erzeugt einen Trancezustand, einen veränderten Bewusstseinszustand und fördert gewisse verborgene Automatismen. Die Hypnotisanten erleben eine tiefe Entspannung, sind aber während der Hypnose in der Lage zu sprechen. Man kann das Hypnoseerleben mit einem interessanten Film vergleichen: Fokussierte Aufmerksamkeit, Faszination, Gleichgültigkeit gegenüber dem Publikum, vergessene Ereignisse werden wieder ins Gedächtnis gerufen, nach Ende der Vorstellung hat man nicht das Bedürfnis zu sprechen, bei Verlassen des Saals ist man durch die Lichter und die Geräusche in der Umgebung gestört. Befragt man zehn voneinander unabhängige Hypnotiseure oder Hypnotherapeuten, erhält man zehn unterschiedliche Definitionen von Hypnose, da es derzeit keine allgemein akzeptierte Definition gibt. Die meisten Hypnotiseure lehnen die These ab, dass Hypnose nichts mit Schlaf zu tun haben soll, andere sagen, dass Hypnose das Gegenteil von Schlaf ist, also ein Zustand erhöhten Bewusstseins. Medizinische Hypnose

Laut aktuellstem Ansatz einer Definition handelt es sich um eine zweckgerichtete Anwendung mittels direkter bzw. indirekter Techniken, um veränderte oder auch heilsame Bewusstseinszustände zu erreichen. Alle Erfahrungen, die bis dato erlebt wurden, alle Ereignisse, die eventuell in Vergessenheit geraten sind, Probleme, die bewältigt oder auch verdrängt wurden, sind tief im Unbewussten verankert, können aber oft nicht vom bewussten Denken erreicht oder beeinflusst werden.

Hypnose öffnet das „Tor zum Unbewussten“, somit werden bestimmte Erfahrungen wieder ins Bewusstsein gerufen, Probleme können dadurch gelöst bzw. bewältigt werden. Ebenso beinhaltet die Definition von Hypnose mehrere Begriffe wie hypnotische Trance, Suggestion, hypnotische Phänomene und Suggestibilität. Hypnose bezieht sich auf die „Macht der Worte und Ideen“, auf die unsere ganze Aufmerksamkeit gerichtet ist. Durch diese fokussierte Aufmerksamkeit, die während der Hypnose entsteht, kommt es zu einer Verlagerung des Bewusstseins. Nimmt man gewisse Vorgänge gleichzeitig wahr, kommt es zu einer Überlastung bzw. Blockierung.

Unterschied zwischen Hypnose und Schlaf: Durch den Vergleich von Hypnose und Schlaf wird klar, dass es sich nicht um ein und dieselbe Sache handelt. Bei derMedizinische Hypnose ist zwar das Bewusstsein eingeengt, allerdings ist der Hypnotisierte wach. Patienten berichten nach einer Hypnosesitzung, dass sie währenddessen zeitlich und örtlich orientiert waren, was im Schlafzustand nicht möglich ist. Im Schlaf ist der Patient nicht in der Lage, kritisch einer Sache gegenüberzustehen. Hierin liegt ein wesentlicher Unterschied.

Die bei der Medizinischen Hypnose erzeugte Trance basiert auf fokussierter Aufmerksamkeit, bei welcher der Patient auf jeden Laut konzentriert ist. Der Bewusstseinszustand des Patienten ist eingeengt, allerdings ist er immer noch wach und ansprechbar. Gegebenenfalls ist die Erinnerung posthypnotisch nicht aufgehoben, außer es wurde im Rahmen der Hypnose eine Amnesie durchgeführt. Im Schlaf ist die Aufnahme von Reizen und deren Verarbeitung blockiert. Eine Orientierungslosigkeit ist vorhanden und das Bewusstsein ist ausgeschaltet. Ebenso ist die betroffene Person im Schlaf nicht ansprechbar.

Wie funktioniert Hypnose: Durch verschiedene Studien konnten Unterschiede der Gehirnwellenfrequenzen zwischen Personen im Wachszustand und Personen in Hypnose festgestellt werden. Es handelt sich bei der Trance um einen eingeschränkten Bewusstseinszustand mit fokussierter Aufmerksamkeit, Dinge werden nicht bewusst erlebt, denn das Tor zum Unbewussten/ Unterbewussten wird geöffnet, was im EEG als Alphawellen zu sehen ist. Durch Suggestion des Behandlers wird der sog. Alphazustand erreicht und somit der Zugang zum Unbewussten gewährt. Wissenschaftliche Studien beweisen eine Veränderung der Wahrnehmung und eine Einschränkung der Reaktionsfähigkeit in Hypnose, ebenso kommt es zu einer Veränderung der Atmung und der Hauttemperatur. Im EEG kann ein tiefer Entspannungszustand festgestellt werden. Hypnose wirkt sich auch positiv auf Stresshormone aus, während einer Hypnosesitzung kommt es zu einer deutlichen Reduktion, selbst der Blutdruck wird dem Tranceerleben angepasst und sinkt. Abgesehen von elektroencephalographischen Untersuchungen zeigen neuroimmunologische Analysen eine Steigerung der Selbstheilungskräfte anlehnend auf die Stärkung des Immunsystems.

Aufgrund zahlreicher Untersuchungen kommt man zu dem Schluss, dass die Anwendung von Hypnose das Schmerzerleben verändert, indem die Angst, die bei einem Eingriff vorhanden ist, beeinflusst wird. Wie intensiv der Schmerz empfunden wird, ist abhängig von der Ablenkung. Eine beachtliche Tatsache ist, dass eine gewisse Erwartungshaltung seitens des Patienten besteht, d.h. er ist bereit, sich auf eine Behandlung einzulassen und einen Trancezustand zu erreichen. Vergleicht man Entspannung, Placebo und Hypnose, beweisen spezielle Laboruntersuchungen, dass Hypnose effektiver ist. In der Konfrontation Hypnose vs. Akupunktur kann ebenso eine größere Schmerzreduktion erkannt.

Die meisten Gefühle, Emotionen, die wir verändern wollen, sind tief im Unterbewusstsein verankert, daher müssen hypnotische Techniken immer wieder wiederholt werden, um letzten Endes schneller abrufbar zu sein und in weiterer Folge Ängste einzudämmen. Die Anwendung von Hypnose wirkt nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die emotionale und geistige Ebene. Beschreibt man die körperlichen Funktionen während einer Hypnosebehandlung, ist eindeutig zu erkennen, dass die Magen-Darmtätigkeit, die Herztätigkeit, der Blutdruck, die Muskel- und Nerventätigkeiten und selbst die Schmerzempfindungen beeinträchtigt sind. Über die emotionale und geistige Ebene erreicht man auf direktem Weg das Unterbewusste und ist dadurch in der Lage, traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten und zu bewältigen. Durch ruhiges Sprechen wird eine angenehme Atmosphäre geschaffen, der Patient gelangt in einen Trancezustand, bei dem äußere Umstände nur verschwommen wahrgenommen werden und die Aufmerksamkeit nach innen gekehrt ist. Es gibt Beweise, dass Hypnose in Zusammenhang mit Angstreduktion und Schmerzverminderung sehr wirksam, aber bis dato allerdings noch nicht restlos erforscht ist.

Mit Sicherheit kann man hingegen behaupten, dass Hypnose und das Unbewusste eng miteinander verbunden sind. Posthypnotische Suggestionen sind in der Tat unwiderlegbare Beweise dafür, dass psychische Inhalte das Verhalten verändern.

 

Ausführliche Literatur dazu bei der Verfasserin – Medizinische Hypnose

Autor:
Dr.med.univ. Andrea Pinter

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