Pflege-Patientenbeziehung – österreichische Hypnosegesellschaft

 

Wertschätzung und Achtsamkeit als Säulen der Compliance – österreichische Hypnosegesellschaft

Die Grundlage für eine erfolgreiche, medizinische Hypnose ist eine gute Beziehung zwischen Pflege und Patient. Man spricht in diesem Zusammenhang von Compliance. Eine gute Compliance ist die Grundlage einer guten Hypnose und verbessert die Bindung an die Pflege. Darüber hinaus wird das Vertrauen gestärkt und die Bereitschaft des(r) Patiente(in) an den vorgegebenen Abläufen aktiv teilzunehmen. Um die Kommunikation zu verbessern ist es wesentlich, sich zu überlegen, was sich der(ie) Patient(in) erwartet: Aufmerksamkeit, Zeit, wahrgenommen zu werden, im Mittelpunkt zu stehen und sich verstanden zu fühlen.

Dies beginnt schon bei der Begrüßung, mit Blickkontakt und Nennung des Namens des(r) Patienten(in). Ein wichtiger Faktor ist die Ehrlichkeit, die Authentizität mit welcher die Pflegeperson dem(r) Patienten(in) gegenüber tritt, auch die Wahl der Sprache (nicht „abgehoben“) wenn möglich, sogar in der Muttersprache zu kommunizieren. Der(i) Patient(in) soll immer am Gespräch beteiligt werden, soll gut aufgeklärt werden und das Gefühl einer individuellen Betreuung haben. Langsames, lautes Sprechen, klares, deutliches Formulieren und dem(r) Patienten(in) zugewandt sein, stellen eine gute Voraussetzung dar. Die Pflegeperson soll Kompetenz ausstrahlen und das Gefühl vermitteln, die Situation unter Kontrolle zu haben, zu wissen, was sie tut.

Was stört die Compliance: Verwendung von Medien während des Patientenkontaktes (Stichwort: Pflegeperson schaut in den PC während sie mit dem(r) Patienten(in) spricht) werden vom (von der) Patiente(in) als Störfaktoren wahrgenommen. Telefonieren, hereinkommende Mitarbeiter(innen) („Vogelhausbetrieb“), Straßenlärm durch offene Fenster, Belehrungen, Moralisieren, sich „lustig machen“ über Patienten oder deren Unkenntnisse, Schuldzuweisungen („sie sind zu spät gekommen…“), Aussichtslosigkeit vermitteln („wenn sie bis jetzt immer so dick gewesen sind, kann ich da auch nichts machen…“) etc. gehören nicht in eine Praxis für medizinische Hypnose.

Eine Grundregel erfolgreicher Pflege-Patientenkommunikation ist die Empathie. 

Österreichische Hypnosegesellschaft

Darunter versteht man die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Empathie ist die Wahrnehmung der Gefühle anderer, wie zum Beispiel Trauer, Schmerz, Angst etc. Im Gegensatz zum Tier hat der Mensch die Möglichkeit, sich in den anderen hineinversetzen zu können und dessen Gefühle zu verstehen. Dazu gehört auch die die damit verbundene Reaktion auf die Gefühle anderer.

Paul Ekman unterscheidet zwei Formen des Mitgefühls: „Kognitive Empathie“, welche uns erkennen läßt, was ein anderer fühlt und „emotionale Empathie“, welche uns fühlen läßt, was ein anderer fühlt.

In der Entwicklungspsychologie wird hier auch von einer Perspektivenübernahme gesprochen, wobei der Mensch, im Gegensatz zum Tier, in der Lage ist, sich in den inneren Zustand eines anderen hinein zu versetzen. Aber auch beim Menschen funktioniert das nicht immer:

Erinnern wir uns an den großen Tsunami vor einigen Jahren: tausende Menschen sind gestorben, ganze Familien wurden ausradiert. Wenn man aber ganz ehrlich zu sich selbst ist, hat man eigentlich nicht so ein wirklich ausgeprägtes Mitgefühl für diese Menschen. Man denkt sich vielleicht, dass es ein schreckliches Ereignis war, aber man ist überhaupt nicht in der Lage, sich hineinzuversetzen in diese Katastrophe. Es übersteigt unsere Vorstellungskraft.

Empathie bedeutet, sich vorzustellen, im anderen drin zu sein. Man stellt sich vor, aus dem anderen hinauszufühlen. Ein Hund überlegt sich nicht, wie derjenige sich fühlt, den er beißt. Den Menschen hingegen zeichnet aus, daß er sich das vorstellen kann, denn hier kommt etwas anderes hinzu: Wir versuchen, uns in das Gegenüber hineinzufühlen. Wir stellen uns die Frage, wie wir umgehen sollen mit den Gefühlen des anderen Menschen. Das ist der erste wesentliche Schritt zu einer guten Compliance zwischen Pflege und Patient(in).

Rechte gesammelt beim Autor – 

österreichische Hypnosegesellschaft

 

Autor:
Univ.-Prof. Dr. med. Robert Gasser PhD (Oxford University, UK),
Abteilung für Kardiologie, LKH-Universitätsklinikum Graz,
Auenbruggerplatz 15,
8036 Graz
robert.gasser@klinikum-graz.at

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