Raucherentwöhnung durch medizinische Hypnose und andere unterstützende Maßnahmen

 

Dass Rauchen in der Liste der „beliebtesten“ Suchtmittel sehr weit oben steht, ist denke ich kein Geheimnis. Die Folgen der Nikotinabhängigkeit wie beispielsweise Bluthochdruck, Arteriosklerose, KHK, COPD etc. sind nun auch schon einige Zeit bekannt. Trotz dieser abschreckender Folgen gibt es weltweit ungefähr 1,3 Milliarden Raucher. Medizinische Hypnose

Einleitung und persönliche Gedanken

Als Nichtraucher und sportlich sehr aktiver Mensch lehne ich das Rauchen ab. Mir fällt es immer noch sehr schwer zu verstehen warum Menschen Rauchen. Auch wenn ich den Mechanismus, der im menschlichen Körper für die Sucht verantwortlich ist kenne, fehlt mir das Verständnis warum Menschen so etwas machen.
Sehr viele Raucher sind mit ihrer Sucht unzufrieden und wollen davon loskommen, oder den Konsum zumindest reduzieren. Vor allem diese Menschen gilt es zu unterstützen und den für Sie besten Weg zu finden die Abhängigkeit hinter sich zu lassen. Mit dem Wunsch, die Sucht los zu werden ist schon einmal ein sehr wichtiger Schritt getan, dieser ist nämlich die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwöhnung durch medizinische Hypnose.

Rauchen und Lifestyle

Zusätzlich zum Ziel das Rauchen aufzugeben ist es wichtig auch die begleitenden Lebensgewohnheiten zu durchleuchten und eventuell auch dort zu versuchen Veränderungen zu erzielen. Es ist bekannt, dass Übergewicht und die damit verbundene falsche bzw. ungesunde Ernährung, sowie vermehrter Alkoholkonsum, Stress, Bewegungsmangel usw. häufig mit Rauchen assoziiert sind. Da diese Verhaltensweisen ebenso schwerwiegende Folgen auf die Gesundheit haben können, sollten diese Probleme auch in die Behandlung und Betreuung mit einfließen.

Strategien für die medizinische Hypnose

Wie kann man einen Menschen nun jetzt mit medizinische Hypnose dazu bringen das Rauchen aufzugeben? Wie schon oben erwähnt ist es sehr wichtig, dass der Wille zum Aufhören besteht. Und da sich ein Patient, wenn er eine Hypnosepraxis besucht, schon damit auseinandergesetzt hat und mit dem Willen hingeht durch diese Maßnahmen das Rauchen hinter sich zu lassen, stehen die Chancen nicht schlecht. Das heißt: Der entscheidende Schritt zum Stoppen muss vom Patienten selber kommen und als Therapeut versucht man, ihm den Weg dorthin so gut es geht zu weisen. Die Aufgabe des Hypnotiseurs ist es nun, diese Motivation und Kraft im Inneren des Menschen zu ergründen und ihm zu helfen, diese zu verstärken und wie es im Buch beschrieben wird „die Kugel ins Rollen bringen“ um Hindernisse aus dem Weg zu Räumen. Dabei darf der Patient aber nicht erwarten, dass er von seinem Laster schon nach einer Sitzung befreit sein wird. In den meisten Fällen bedarf es mehrere Sitzungen um den Patient auf eine komplette Lebensstilveränderung vorzubereiten und seine Bereitschaft dafür zu vergrößern.

Wichtig ist, dass Erzwingungsversuche die vom Patienten selbst ausgehen in der Raucherentwöhnung mittels Hypnose keinen Platz haben. Der Patient würde sich dadurch nur in alte Verhaltensmuster zurückbringen die vorher auch nicht funktioniert haben, und in vielen Fällen nach Tagen bis Monaten scheiterten. Ein Erklärungsversuch für den großen Erfolg der Hypnose lautet, dass Patienten das Gefühl haben die Sucht und der Drang zum Rauchen gehe von einer inneren, nicht bezwingbaren Kraft aus. Genau mit diesem Inneren beschäftigt sich auch die Hypnose, denn in der Trance wird Kontakt mit dem Unbewussten aufgenommen. Diese Ausführung führt häufig zu einer großen Akzeptanz der Patienten für die medizinische Hypnose.

Ein weiterer Kniff in der Hypnose ist die Kommunikation mit bestimmten Körperteilen. Diese Körperteile können zum Beispiel die durch den Ruß verdreckte Lunge mit den Bronchien (→ Fallbeispiel am Ende) sein, oder die „Raucherhand“. In der Hypnose wird dann Versucht, zu erkennen warum die Zigarette so wichtig ist und dann ist das Ziel, das vorhandenen Verhalten durch ein gesünderes zu ersetzen. Dabei kann man zum Beispiel das halten einer Zigarette mit dem halten der Zahnbürste jeden Morgen verknüpfen und dem Unbewussten mitgeben dass jedes Mal wenn man die Zahnbüste in der Hand hält, die Kraft verstärkt wird die das Rauchen beenden will. Diese Maßnahme wird übrigens posthypnotische Suggestionen genannt.

Selbsthypnose – medizinische Hypnose

Selbsthypnose kann zusätzlich zu anderen Maßnahmen auch ein wichtiges Instrument darstellen. Dabei wiederholt der Patient die Selbsthypnose immer wieder ritualhaft und verfestigt dadurch die Suggestionen. Der Patient tauscht sich in der Selbsthypnose mit dem Unbewussten durch gedankliche Unterhaltungen aus (in Form von Selbstgesprächen in seinem Inneren). Dabei kann man sich zum Beispiel selbst sagen, dass die wichtigen Suggestionen wie von selbst umgesetzt werden und diese auf ihre eigene Art und Weise wirksam werden… Diese Abläufe können auch mithilfe von dafür produzierten CD’s und DVD’s erweitert werden. Dadurch kann das in den Therapiesitzungen Erarbeitete wiederholt und gefestigt werden.

Faktoren die den Erfolg beeinflussen

Agee und Holroyd zeigten in ihren Metaanalysen welche Faktoren sich günstig auf die Abstinenzrate auswirkten. Dazu zählen mindestens 3-5 Sitzungen, und individuell auf den einzelnen Patienten bezogene Suggestionen die eine Ich-Stärkung bewirken. Auch die Erfahrenheit des Therapeuten, die Willenskraft des Patienten und der Charakter der Motivation spielen eine Rolle. In schwierigen Phasen half oftmals die Möglichkeit des Telefonkontakts mit dem Therapeuten und weiterführenden Selbsthypnosen für zuhause. Auch die Wichtigkeit der Unterstützung der Familie und Freunde dürfen nicht vernachlässigt werden.

Subjektive Erfahrungen können mit Effektivitätsstudien leider nicht erfasst werden, daher kann darüber nichts gesagt werden.

Erfolgsquoten – medizinische Hypnose

Die Wirksamkeit der medizinische Hypnose bei der Raucherentwöhnung ist gut belegt. Unter Einbeziehung des Rauchstopps und der Dauer der Abstinenz kann man von einer durchschnittlichen Erfolgsrate von 25% sprechen. Dieser Wert ist zwar im gleichen Bereich wie professionelle Entwöhnungsprogramme, wenn man aber bedenkt dass bei über 90% aller Raucher eine definitive Suchtproblematik vorliegt ist das ein beeindruckender Erfolg! Es ist nicht ganz einfach die Erfolge von den professionellen Entwöhnungsprogrammen mit denen der Hypnose zu vergleichen, da die verschiedenen Behandlungsformen auch teilweise ganz andere Gruppen von Patienten ansprechen. Für viele, bei denen andere Maßnahmen versagt haben ist Hypnose die letzte Hoffnung. Dadurch sammeln sich bei Hypnotiseuren möglicherweise häufigere die schweren Fälle. Wie schon oben erwähnt spielt es auch eine Rolle wie individuell ein Programm auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten ist und wie suggestibel diese Person ist. ein wichtiger Punkt ist, dass die erarbeiteten Konzepte eine Nachhaltige Strategie beinhalten, was leider nicht immer der Fall ist.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Hypnose kann eine sehr gute Methode zur Raucherentwöhnung darstellen. Ich bin aber auch der Meinung, dass alle diese Maßnahmen den größten Erfolg erzielen wenn man mehrere davon kombiniert und alle Möglichkeiten ausschöpft. Wobei auf jeden Fall zu erwähnen ist, dass Hypnose zu den Methoden mit der geringsten Gefahr für Nebenwirkungen oder negativen Auswirkungen gehört. Sofern sie von professionell ausgebildeten und seriös handelnden Therapeuten durchgeführt wird.

Ich möchte hier nur die gängigsten zusätzlichen Methoden, die auch im Buch angeführt werden kurz erläutern:

  1.  „Endlich Nichtraucher“ mit Allen Carr: Allen Carr ist ein britischer Mediziner der Bücher verfasst hat die durch positive Motivation und die richtige Einstellung die Raucherentwöhnung fördern sollen. Inzwischen werden auch im deutschsprachigen Raum Seminare angeboten.
  2. Nikotinersatztherapie: Diese Art der Therapie beruht auf einer Nikotinsubstitution über Kaugummis, Inhalatoren, Tabletten Pflaster oder Nasensprays, und soll das Auftreten von Entzugserscheinungen verhindern. Die Dosierungen werden zu Therapiebeginn auf die Menge des Tabakkonsums abgestimmt und dann mit Fortdauer der Therapie immer mehr vermindert. Häufige Fehlerquellen dieser Methode stellen eine Unterdosierung und zu kurze Einnahme dar. Für die optimale Erfolgschance wird eine Therapiedauer von drei bis sechs Monate angegeben.
  3. Anti-Raucher-Pille: Zyban ist ein Medikament das ursprünglich als Antidepressivum entwickelt wurde und von der American Food and Drug Administration als Mittel der Wahl zum Rauchstopp auf den Markt gebracht wurde. Es ist bisher das einzige nikotinfreie Medikament für die Raucherentwöhnung. Der Wirkstoff ist Bupropion, mit der Wirkung einer Hemmung der Dopamin Wiederaufnahme. Dadurch hemmt es das Verlangen nach Nikotin und das Auftreten von Entzugserscheinungen. Die Einnahme ist jedoch mit Nebenwirkungen behaftet: Schlaflosigkeit (42%), Mundtrockenheit (13%), Ängstlichkeit, Obstipation und in seltenen Fällen Krampfanfälle. Champix mit dem Wirkstoff Vareniclin ist das neueste Präparat zur Raucherentwöhnung. Die Wirkung beruht auf einem partiellen Antagonismus am nikotinergen Acetylcholinrezeptor und es dockt am gleichen Rezeptor wie das Nikotin an. Dadurch wird der stimulierende Genuss von Nikotin nicht entfaltet und der Belohnungseffekt sinkt. Nebenwirkungen können Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen Schlaflosigkeit und eine veränderte Geschmacksempfindung sein.
  4. Verhaltenstherapie: Rauchen ist ein Verhalten das über lange Zeit antrainiert wurde und auch wieder verlernt werden kann. Die Verhaltenstherapie beruht auf dem Prinzip der 5 „A“:
    1. Ask: Anamneseerhebung über den Konsum
    2. Advide: Ratschläge zum Stoppen des Rauchens
    3. Assess: Beurteilung der Motivation und des Willens des Patienten mit dem Rauchen aufzuhören
    4. Assist: Hilfestellung wie Beratung und Einschulung auf die Medikamenteneinnahme
    5. Arrange: Organisatin und Management für die Rückfallprophylaxe.
  5. Stationärer Therapieaufenthalt: Für Patienten mit sehr schwerer Abhängigkeit die bereites an Folgeerscheinungen leiden (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, COPD,…) gibt es die Möglichkeit einer stationären Therapie. Diese Therapieform wird am „Josefhof“ in Graz seit 1997 angeboten. Die Dauer des stationären Aufenthalts beträgt ca. 3 Wochen.
  6. Impfung: Ein ganz neuer Ansatz in der Therapie, der aber noch nicht zugelassen wurde beruht auf einer aktiven Immunisierung die eine Antikörperbildung gegen Nikotin bewirkt, sodass die Nikotinmoleküle mit den Antikörpern zu so großen Gebilden verschmelzen, dass sie die Blut-Hirn-Schranke nicht mehr überwinden können. So ist es dem Nikotin nicht mehr möglich seine Wirkung im ZNS zu entfalten.

Medizinische Hypnose

Autor:
Stefan Wiltschnigg

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