Schaden durch Hypnose, Kommentar zu einem Artikel von Revensdorf

Diese kompakte Übersicht über Risiken und mögliche Schäden durch Hypnose beruht auf dem Artikel „Schaden durch Hypnose“ von Dirk Revenstorf, erschienen im Jahr 2011 in der Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie. Der Lesbarkeit dienend, ist in diesem Text nur von der männlichen Form die Rede, jedoch impliziere ich immer auch das weibliche Pendant.

Hypnose hat viele positive Eigenschaften sowie ein breites Anwendungsspektrum und wir verdrängen daher oftmals die möglichen Schäden. Es sind unterschiedlichste Risiken bekannt, die durch Hypnose induziert werden können. Für diese gibt es mehrere Ursachen, jedoch ist ein grundlegender Aspekt die eigentliche Wirkungsweise der Hypnose, die präfrontale Blockade. Die dadurch entstehende Hypofrontalität führt zu einer reduzierten Integrationsleistung des Gehirnes. Höhere mentale Funktionen, wie das Lösen komplexer kognitiver Aufgaben, unterliegen dem präfrontalen Kortex. Dazu gehören die Abschätzung der sozialen Angemessenheit, das moralische Urteilsvermögen und die Konsequenzen der eigenen Handlungen.

Die durch Hypnose induzierte Hypofrontalität kann solch ausgeprägte Ausmaße erreichen, dass sie einer Frontalhirnverletzung ähnelt. Dabei entsteht ein veränderter Bewusstseinszustand, der die Fantasie fordert und gleichzeitig Vernunft, Moral und Zugang zu emotionalen Erfahrungen zurücktreten lässt. Durch diesen Umstand ist die kognitive Klarheit limitiert und die Handlungsplanung wird dem Hypnotiseur überlassen.
Dieser Zustand lässt sich leider missbrauchen.

Die Gefahren und Risiken, die von Hypnose ausgehen, lassen sich in die drei Untergruppen unterteilen:

  1. Hypnoseunfälle
  2. Sexueller Missbrauch
  3. Anstiftung zu Verbrechen

Hypnoseunfälle
Harmlose unspezifische Nebenwirkungen kommen relativ häufig vor, wobei Rapportverlust, Verstimmung, Benommenheit, Kopfschmerz, Übelkeit und Verwirrung in 15% auftreten und es in 2% zu schweren Beeinträchtigungen kommt. Diese Nebenwirkungen können jedoch durch sorgfältige Formulierungen der Suggestionen und systematische Auflösungen der Trance vermieden werden.
Dekompensationen wie Manien, Depressionen, Schizophrenien und Psychosen treten gelegentlich posthypnotisch auf. Diese bestehen meist bereits im Vorhinein und treten nach Auflösung des ursprünglich zu hypnotisierenden Problems in den Vordergrund und lassen sich daher nur schwer vermeiden.
Retraumatisierungen können nach Hypnosen gelegentlich auftreten, wobei die Fähigkeit des Hypnotiseurs diese zu antizipieren und den Patienten aus der Hypnose zu zurückzuholen hier entscheidend ist.
Hingegen werden körperliche Schäden größtenteils durch grobe Unachtsamkeit verursacht und sind den Schauhypnosen zuzuordnen. Dies liegt an der mangelnden Ausbildung der Laienhypnotiseure und des oftmals mangelnden Verantwortungsbewusstseins.

Sexueller Missbrauch
Ein weiteres mögliches Problem der Hypnose ist eine Art magnetische Beziehung, die dazu führt, dass der Hypnotisierte sich zum Hypnotiseur hingezogen fühlt. Die entstehende Anziehung sowie die Hypnoseinduktion können den Hypnotisierten in eine unterwürfige Position und Vulnerabilität bringen.
Während der Trance können dem Täter zusätzliche Mechanismen wie die kataleptische Starre oder die Schreckstarre dabei helfen, die Opfer in eine scheinbar willenlose Passivität zu versetzen und währenddessen (sexuell) übergriffig zu werden. Immer wieder belegen Fälle das Vorkommen dieser Art von Missbrauch durch Hypnotiseure, Heilpraktiker und Therapeuten. Die wiederholte Induktion kann zu einer hypnotischen Dressur und missbräuchlichen (Langzeit-)Beziehung führen.
Festzuhalten gilt, dass gesellschaftlich, kulturell und geschlechtlich bedingt häufiger weibliche Personen die Unterworfenen und Hörigen sind, wohingegen der machtausübende, masochistische Part häufiger durch einen männlichen Hypnotherapeuten ausgeübt wird. Im Rahmen des Missbrauchs therapeutischer Beziehungen entsteht für das Opfer meist ein Konflikt, da es einerseits die Hilfe des Therapeuten gerne in Anspruch nehmen möchte und es andererseits in der Unterwerfung und Hingabe nicht fähig ist, seine klaren Grenzen aufzuzeigen.

Anstiftung zu Verbrechen
Inwieweit Hypnose tatsächlich zur Anstiftung von Verbrechen verwendet werden kann, bleibt schwer zu beurteilen. Es gibt unterschiedliche Experimente, die zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen sind und ohne Kontrollgruppen durchgeführt wurden. Dabei bleibt sowohl der experimentelle Rahmen wie auch die einzelnen Experimentatoren zu hinterfragen, welche versuchen, ihre Meinung durch bestimmte Ergebnisse zu untermauern. Da die Sensibilität in der hypnotischen Trance gesteigert ist, besteht die Vermutung, dass die Hypnotisierten dem unbewusst suggerierten Wunsch des Hypnotiseurs folgen.
Ein wichtiger Aspekt ist, dass sich ein Teil der hypnotisierten Person nicht täuschen lässt und dadurch normalerweise die Willenssuggestion zu unmoralischen Taten mit der moralischen Vorstellung kollidiert. Damit ist eine Anstiftung zu Taten, die den moralischen Vorstellungen des Hypnotisierten grundlegend widersprechen, sehr unwahrscheinlich, und einzelne Fallberichte wie zum Beispiel beschriebene Mordversuche, konnten auf einem bereits bestehenden (un-)bewussten Wunsch des Patienten beruhen.

Die negativen Folgen, die tatsächlich durch Hypnose entstehen, basieren meist auf einer mangelnden moralischen Verbindlichkeit des Hypnotiseurs. Einige Risiken wie Dekompensation und Retraumatisierungen sind oftmals nicht vorherzusehen und erfordern ein vorausschauendes Agieren während und nach der Hypnose.

In Summe ein sehr lehrreicher Artikel der empfehlenswert ist.

Maximilian Pohl,
Medizinische Universität Graz

Alle Beiträge im Überblick